DALIKO
Alexander Curtis HIER & DORT
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© 2017 DALIKO
Galerie

Seit 2012 zeigt die Galerie DALIKO in Krems ein facettenreiches Programm von namhaften zeitgenössichen KünstlerInnen. Der Erfolg und das große Interesse an Kunstprojekten lieferten den Anstoß, 2016 den Verein DALIKO - österreichische Galerie und Projektwerkstatt für zeitgenössische Kunst und internationalen künstlerischen Dialog zu gründen.

Der Verein lädt etablierte heimische und internationale KünstlerInnen ein, ihre Arbeiten in der Galerie auszustellen und vermittelt vor allem KünstlerInnen aus Niederösterreich Ausstellungsangebote in ausgewählten Ländern. Darüber hinaus initiiert und kuratiert der Verein länderübergreifende Projekte und führt Workshops, Seminare, Kurzfestivals und Symposien durch.

Alexander Curtis

HIER & DORT

Vernissage 03. März 2017, 19:00 Uhr

Dauer: 04.-31.03.2017

Jubiläumsausstellung 5 Jahre Galerie Daliko:

Seit einem halben Jahrzehnt ist die Galerie Daliko der beiden Künstler Dalia Blauensteiner und Heinz Körner ein wichtiger Ausstellungsort für Malerei, Skulptur, Fotografie, Medien- und Konzeptkunst in Krems und hat sich als feste Größe in der Kunst- und Galerienlandschaft Niederösterreichs etabliert. Neben Arbeiten von Kunstschaffenden aus aller Welt werden auch Kunstwerke gezeigt, die hier in der Wachau entstanden sind. Im Rahmen von bislang 31 Ausstellungen sowie sechs Projekten, die sowohl in Österreich als auch im Ausland realisiert wurden, haben bereits 121 Künstlerinnen und Künstler aus Österreich, Tschechien, Polen, Ungarn, Litauen, Lettland, der Ukraine, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Rumänien, der Türkei, Georgien, Mexiko und den USA ihre Werke ausgestellt.

Um neben ihrer Ausstellungstätigkeit auch einen institutionellen Rahmen für Workshops, Seminare, Kurzfestivals und Symposien zu schaffen, gründete das Galeristenpaar 2016 den Verein Daliko – österreichische Galerie und Projektwerkstatt für zeitgenössische Kunst und internationalen künstlerischen Dialog.

Mit Alexander Curtis wurde für die Ausstellung zum 5-jährigen Jubiläum ein britischer Künstler ausgewählt, der seit 2014 in Krems lebt und arbeitet – und dessen künstlerisches Schaffen eine beeindruckende Bandbreite aufweist, die das Spektrum der bisherigen Ausstellungen in sich vereint.

Neben den im Rahmen der Einzelausstellung HIER & DORT gezeigten bildhauerischen Werken, Fotografien und Collagen umfasst sein Œuvre technische Apparaturen, die der Künstler sowohl selbst erfindet als auch eigenhändig realisiert, sowie Filme und literarische Arbeiten.

So disparat die unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen auf den ersten Blick scheinen mögen, so sind sie doch alle essenzielle Bestandteile im labyrinthischen Kunstkosmos von Alexander Curtis, durch den sich mehrere rote Fäden ziehen. Drei davon sollen im Folgenden aufgezeigt werden.

 

Die großen Erzählungen

Alle Arbeiten von Alexander Curtis zeugen von der Faszination, die Erzählungen, insbesondere Mythen und Legenden, auf den Künstler ausüben – eine Faszination, die zu einer intensiven, auch wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Text- und Bildquellen sowie Kultobjekten geführt hat, um diese im nächsten Schritt in eine eigene (Bild-)Sprache zu überführen und neue Genres zu kreieren.

Seit vielen Jahren befasst sich Alexander Curtis etwa mit der Venus von Willendorf. Die Venus ist unter anderem Mittelpunkt und Drehachse im Kurzfilm „Am Fuß des Regenbogens“ (2003). In der Ausstellung HIER & DORT werden skulpturale Objekte (2004–2015) präsentiert, die von ihr inspiriert sind. Die Urformen der Kalkstein-Statuette werden hierbei unter Verwendung neuer Materialien transformiert, teilweise unter Integration von objets trouvés, die das Enigmatische des Kultbildes in sich bergen.

 

Die Landschaft als Erzählraum

Neben der Mythologie als Inspirationsquelle ist ein weiterer roter Faden der Aspekt der Ortsspezifik, der kennzeichnend für das Schaffen von Alexander Curtis ist.

Im Rahmen der Ausstellung HIER & DORT zeigt der Künstler Landkarten-Collagen, die einen deutlichen Wachau-Bezug aufweisen. Sein analytisch-maieutischer Blick bringt auch hier ans Licht, was sich im Vorgefundenen verbirgt: Dämonen und Menschen, Vampire und Vogelfrauen – und abermals die Venus – werden durch ihn aus dem Kartenmaterial geboren und sichtbar gemacht. Die Figuren ergeben sich durch das Nachziehen von alten Wegeführungen, Wasserläufen und natürlichen Erhebungen. Sie werden als Land-Art erfahrbar, wenn sie bei einem Spaziergang in der Landschaft nachvollzogen werden.

Andere Landkarten-Collagen reflektieren ebenfalls Geschichten und Legenden – so etwa die archetypischen Fotografien aus dem nordenglischen Lake District (2012), zu dem Alexander Curtis seit seiner Schulzeit einen starken Bezug hat. Durch den Einsatz von Prismen und Filtern entstanden poetische Lichtbilder, die durch ihre Rätselhaftigkeit in ihren Bann ziehen.

Ein besonderes immersives Kunsterlebnis ermöglicht schließlich das Kairo-Kabinett: Die begehbare Rauminstallation, die von einer ägyptischen Legende inspiriert ist, kombiniert Skulpturen, Miniatur-Dioramen und übergroße Landkarten. Durch die Schatzkammer-Atmosphäre des Raumes werden die Betrachterinnen und Betrachter in ihrer Imagination an einen anderen Ort versetzt und damit zum Bestandteil der Erzählung.

 

Die Alchemie der Bilder

Zu Alexander Curtis’ vielfältigen Interessens- und Forschungsgebieten zählt auch die Geschichte der Alchemie. Ein neuer Bildzyklus entstand 2017 in Folge der Auseinandersetzung mit archäologischen Funden eines alchemistischen Laboratoriums aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts im Schloss Oberstockstall in Kirchberg am Wagram. Die zyklischen Läuterungs- und Transformationsprozesse der Alchemie, deren Ziel – je nach Auffassung – die Herstellung des Steins der Weisen oder von Gold ist, werden auf sechs Blättern durch verschiedene Sinnbilder dargestellt: Menschliche Figuren durchleben die Stadien Leben, Tod und Wiedergeburt – und das aschene Gefieder der Taube wird in der Retortengenese zu Gold geläutert.

Diese ständigen Metamorphosen finden ein Echo in der Schaffensweise von Alexander Curtis: Viele seiner Arbeiten wandeln mehrfach ihre Gestalt, werden in ein anderes Genre überführt, aus anderer Perspektive fokussiert und erhalten weitere Bedeutungsschichten. Ihre Quintessenz bleibt immer erhalten, doch wird sie in jeder Metamorphose immer präziser herausgearbeitet, wissenschaftlich fundierter und zugleich poetischer dargestellt.

Durch diese aus heutiger Perspektive unzeitgemäße und im Sennett’schen Sinne handwerkliche Herangehensweise (Richard Sennet, Handwerk, 2008), die darauf abzielt, eine Sache um ihrer selbst willen gut zu machen, schafft Alexander Curtis ein zeitloses Werk. Und wer bis zum Mittelpunkt seines Kunstlabyrinths vordringt, wird reich belohnt.

 

Dr. Barbara Margarethe Eggert, M.A., MA
Department für Kunst- und Kulturwissenschaften, Donau-Universität Krems

 

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Alexander Curtis HIER & DORT

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Vernissage Alexander Curtis