DALIKO
Laurentiu DIMISCA
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Galerie

Seit 2012 zeigt die Galerie DALIKO in Krems ein facettenreiches Programm von namhaften zeitgenössichen KünstlerInnen. Der Erfolg und das große Interesse an Kunstprojekten lieferten den Anstoß, 2016 den Verein DALIKO - österreichische Galerie und Projektwerkstatt für zeitgenössische Kunst und internationalen künstlerischen Dialog zu gründen.

Der Verein lädt etablierte heimische und internationale KünstlerInnen ein, ihre Arbeiten in der Galerie auszustellen und vermittelt vor allem KünstlerInnen aus Niederösterreich Ausstellungsangebote in ausgewählten Ländern. Darüber hinaus initiiert und kuratiert der Verein länderübergreifende Projekte und führt Workshops, Seminare, Kurzfestivals und Symposien durch.

Laurentiu DIMISCA

Laurentiu Dimisca geb.1977 in Piatra Neamt, Rumänien. Studium Dekorative- und bildender Kunst an der Universität für Kunst und Design, Cluj-Napoca/RO und 2011 Doktortitel (PhD). Dimisca ist Gründungsmitglied der Stiftung „Outsider Art Foundation“, deren übergeordnetes Ziel es ist, neue Formen des künstlerischen Ausdrucks als Kunst außerhalb der Norm - bekannt als Art Brut bzw. "Outsider Art" - zu fördern.  Besonderes Stiftungsziel ist es, Talente der Außenseiterkunst und internationalen Kulturaustausch zu unterstützen. Laurentiu Dimiscas Bilder, bemalte Objekte, Möbel oder Kleidungsstücke vermitteln intensive Farbigkeit, evozieren sinnliche Empfindungen und lassen Bildräume von strukturierter Buntheit enstehen. Daneben fliessen mit dem Künstler als erzählendem Maler, Kultur und Traditionen als seine Inspirationsquellen wie auch Kindheitserinnerungen aus seinem Heimatland Rumänien in sein Werk ein.

www.dimiscartgallery.org; www.outsiderart.org; www.art-singulier.org; http://www.dimiscartgallery.com/files/AlbumDimisca.pdf

Der rumänische Künstler Larenţiu Dimişcă hat sich ganz der Art Brut verschrieben. Die ursprünglich von dem französischen Maler und Bildhauer Jean Dubuffet (1901–1985) geprägte Bezeichnung Art Brut, zu Deutsch „rohe Kunst“, dient als Sammelbegriff für jene Werke, die von Menschen geschaffen werden, die in oft in zweifacher Hinsicht AußenseiterInnen sind:

Die Art Brut-KünstlerInnen haben meist eine Außenseiterstellung in Bezug auf den Kunstbetrieb, denn sie haben sich die bilderzeugenden Techniken in der Regel autodidaktisch angeeignet und ihre Fertigkeiten nicht im Rahmen einer künstlerischen Ausbildung an einer Akademie erworben.

Eine Außenseiterstellung besteht aber oft auch in Bezug auf die Gesellschaft, da viele der Laien-KünstlerInnen aufgrund psychischer Störungen in psychiatrischen Einrichtungen und somit außerhalb der Gesellschaft leben.

Ein Beispiel hierfür sind seit über 60 Jahren die Kunstschaffenden in der einstigen Heil- und Pflegeanstalt im niederösterreichischen Gugging, deren Arbeiten im Art / Brut Center Gugging gesammelt, erforscht und ausgestellt werden.

Bereits im Jahr 1965 veröffentlichte der Gugginger Psychiater Leo Navratil (1921–2006) u.a. die Schrift „Schizophrenie und Kunst“ in der er sich wissenschaftlich mit dem Bildschaffen seiner damaligen Patienten befasst und dieses einem größeren Personenkreis erschloss.

Auch Larenţiu Dimişcă setzt sich als Wissenschaftler mit der Außenseiter-Kunst auseinander. So verfasste er eine Doktorarbeit mit dem Titel „Art Brut. Kunst oder Wahnsinn“, für die ihm im Jahr 2011 von der Universität für Kunst und Design im rumänischen Cluj-Napoca der Doktortitel verliehen wurde. Zudem ist Dimişcă Gründungsmitglied der Stiftung „Outsider Art Foundation“ und konzipierte und realisierte als Kurator bereits mehrere Ausstellungen in Rumänien und Frankreich zum Thema Outsider Art.

Aber auch Dimişcăs eigenes Kunstschaffen spiegelt seine Faszination für die naiv wirkende, nicht-akademische Kunst wider – obgleich oder vielleicht gerade weil er ausgebildeter Maler ist:

Dimişcăs Grafiken und Acrylbilder, aber auch seine bemalten Möbelstücke, Textilien, Keramiken und Wandbilder zeugen von ausgelassener, überbordender Farbfreudigkeit und un-akademisch verspielter Formenvielfalt. Das nahezu manische Ausfüllen des Trägermaterials mit Figuren und Ornamenten bis in den letzten Winkel, ein als horror vacui (dt.: „Angst vor der Leere“) bezeichnetes Phänomen, ist u.a. kennzeichnend für viele Arbeiten der Art Brut und findet sich bei zahlreichen Arbeiten Dimişcăs wieder. Auch die an Kinderzeichnungen erinnernde nicht-perspektivische Darstellung von Objekten und menschlichen Körpern hat Dimişcăs der Art Brut entlehnt. Ornamenthafte Körper, die Vorder- und Hintergrund, oben und unten negieren, schlingen sich in- und umeinander, überlagern und durchdringen sich. Dies trifft insbesondere auf Dimişcăs liebevolle erotische Darstellungen zu.

Eine weitere Inspirationsquelle für den Künstler sind Ikonen, die neben gemusterten Bildgründen oft eine Vielzahl von unterschiedlichen, bunten Textildarstellungen aufweisen. Selbst die nicht-textilen Arbeiten Dimişcăs wirken bisweilen wie Stoffcollagen und erwecken den Wunsch, die Werke zu berühren.

Aber bereits das Abtasten der Werke mit dem Auge ist ein sinnliches Vergnügen. Dass es dem Künstler, wie er selbst sagt, um das Darstellen von Liebe, Kommunikation, Emotionen und Nähe geht, ist nicht nur ein Lippenbekenntnis: Seine Arbeiten kommunizieren spürbar, dass sie mit Liebe und Emotionen geschaffen wurden und schaffen dadurch Nähe bei der Betrachtung.

Dr. Barbara Margarethe Eggert, M.A., MA

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kulturgeschichte und Museale Sammlungswissenschaften

Donau-Universität Krems

 

Hora romaneasca, Acryl auf Leinen, 124 x 124 cm

Indragostiti, Acryl auf Leinen, 120 x 122 cm

Greva Dragostei, Acryl auf Leinen, 115 x 115 cm